• Von unschätzbarem
    Wert

BLUTPRODUKTE

helfen Leben zu retten!

Blutprodukte sind aus menschlichem Blut gewonnene Blutbestandteile, welche für die Transfusion, d.h. die Übertragung an einen Empfänger entsprechend aufbereitet worden sind.

Während früher häufig sogenanntes Vollblut transfundiert wurde, werden heute aus einer Blutspende meist mehrere verschiedene Blutprodukte hergestellt, die jeweils bestimmte Blutbestandteile enthalten.

Hierdurch konnte nicht nur die Haltbarkeit verbessert werden, auch die Anzahl unerwünschter Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten wurde dadurch auf ein Minimum gesenkt. Darüber hinaus erlaubt der gezielte Einsatz dieser unterschiedlichen Blutprodukte eine an den jeweiligen Anwendungszweck optimal angepasste Behandlung.

Da Blutbestandteile bis heute nicht künstlich hergestellt werden können, kommt jeder Blutspende eine unschätzbar hohe Bedeutung zu:
Sie hilft Leben zu retten!

STANDARD BLUTPRODUKTE

Erythrozytenkonzentrat (EK)

Dieses enthält die Erythrozyten (roten Blutkörperchen) einer einzelnen Vollblutspende bzw. einer Apheresespende aufgeschwemmt in additiver Lösung. Der Hämatokrit (Zellgehalt) liegt bei 50 bis 70%, die Restplasmamenge beträgt weniger als 25 ml pro EK.

Seit Einführung der Leukozytendepletion ist der Restleukozytengehalt bei unter 1 Mio weißer Blutkörperchen pro Blutkonserve.

Es handelt sich hier um das Standardpräparat bei Anämie (Blutarmut) und Blutverlust (z.B. durch Verletzungen oder Operationen).

Gefrorenes Frischplasma (GFP)

Es wird gewonnen aus einer Vollblutspende nach Abtrennen der Erythrozyten und des Buffy coat oder durch Apherese, einem speziellen Verfahren, in welchem während der Blutspende maschinell das Blutplasma gezielt abgesammelt wird.

Es enthält alle Plasmaeiweiße, die Gerinnungsfaktoren sowie die Antikörper des Spenders und ist geeignet zur kurzfristigen, globalen Substitution aller Gerinnungsfaktoren und -inaktivatoren und zur Substitution einzelner Faktoren, für die keine speziellen Faktoren-Konzentrate zur Verfügung stehen.

Thrombozytenkonzentrat (PTK oder TKZ)

Es wird hergestellt als Pool -Thrombozytenkonzentat aus Buffy coats von 4-6 blutgruppengleichen Vollblutspenden in additiver Lösung oder aus einer Apheresespende eines einzelnen Spenders (Thrombozytapherese).

Thrombozytenkonzentrate dienen der Therapie der Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) bei primärer oder sekundärer Knochenmarksinsuffizienz oder nach starkem Blutverlust. Die Haltbarkeit beträgt nur 4 Tage, wobei die Produkte unter ständiger Bewegung bei 20 bis 24°C gelagert werden müssen.


WEITERE BLUTPRODUKTE

Neben den oben genannten Standardpräparaten, die über die Blutbank des ZKT vertrieben werden, gibt es noch eine Anzahl weiterer Spezialpräparate für besondere Anwendungsbereiche.

Weiterhin zählen auch die sogenannten Plasmaderivate zu den Blutprodukten. Hierunter versteht man aus menschlichem Blutplasma pharmazeutisch hergestellte Medikamente, welche nur bestimmte Plasmabestandteile enthalten. Sie werden industriell produziert und über Apotheken vertrieben.

Am bekanntesten sind Humanalbumin, welches z.B. bei Eiweißmangel eingesetzt wird, Gerinnungsfaktoren zur Behandlung von Blutgerinnungsstörungen und Immunglobuline, die bei Immundefekterkrankungen Anwendung finden. Auch der in der operativen Medizin verwendete Fibrinkleber (biologischer Gewebekleber) gehört zur Gruppe der Plasmaderivate.

SPEZIALPRÄPARATE

Zur Vermeidung einer Übertragung von vermehrungsfähigen immunkompetenten Lymphozyten (Gefahr einer Graft-versus-Host-Reaktion) bei besonders gefährdeten Patienten sollten alle zellulären Blutkomponenten mit ionisierenden Strahlen behandelt werden. Die empfohlene Dosis beträgt 30 Gy.

Es gibt keine Indikation für die Bestrahlung gefrorenen Frischplasmas!

Indikationen für die Bestrahlung von Blutkomponenten:

• Intrauterine Transfusion

• Transfusion Neugeborener nach intrauteriner Austauschtransfusion

• Postpartale Austauschtransfusion*

• Transfusion von Frühgeborenen (bis zur Vollendung der 37. SSW)*

• Transfusion von Neugeborenen bei Verdacht auf Immundefizienz

• Transfusion bei allogener Stammzell-/Knochenmarktransplantation (mindestens 6 Monate nach Transplantation)

• Transfusion (14 Tage) vor autologer Blutstammzellentnahme

• Transfusion bei autologer Stammzell-/Knochenmarkstransplantation (mindestens 3 Monate nach Transplantation)

• Transfusion bei schwerem Immundefektsyndrom

• Transfusion bei Patienten mit AIDS*

• Transfusion bei M. Hodgkin (alle Stadien)

• Transfusion bei Non-Hodgkin-Lymphomen (alle Stadien)

• Therapie mit Purin-Analoga (Fludarabin, Cladrabin, Deoxycoformycin)

• Therapie mit Anti-T-Lymphozyten-Antikörpern (Alemtuzumab, ATG/ALG)

• Transfusion bei Hochdosis-Chemotherapie bei Leukämien, malignen Lymphomen und soliden Tumoren*

• Transplantation solider Organe*

In Tübingen zusätzlich Blutkomponenten für alle
• Kinder unter 12 Monaten

 

* nicht gesicherte Indikation, keine Empfehlung laut aktuellen Richtlinien der BÄK

Detaillierte Angaben hierzu finden sich in den Richtlinien Hämotherapie und in den Leitlinien der BÄK zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten.

 

Für besonders gefährdete Patienten können CMV-PCR- negative zelluläre Blutpräparate angefordert werden. Im Notfall und bei Versorgungsschwierigkeiten können den Richtlinien* entsprechend ausschließlich leukozytendepletierte Präparate transfundiert werden.

* Aktuelle Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten, 2014:
11.4.2: Die Auswahl CMV-seronegativer Blutspender für die Gewinnung von Leukozyten-depletierten Blutkomponenten zur Vermeidung einer CMV-Infektion wird NICHT empfohlen.
(Ausnahme Granulozytenpräparate)

Bei Antikörpern gegen IgA müssen die zellulären Blutprodukte gewaschen werden, um die Anteile an Spenderplasma zu reduzieren. Diese Spezialprodukte werden nur auf Anforderung hergestellt und bedürfen einer vorherigen Absprache.

Die Gabe von HLA- oder Plättchenantigen-kompatiblen TKZ von Einzelspendern ist bei Patienten mit Vorimmunisierung gegen die entsprechenden Antigene des HLA oder HPA-Systems unabdingbar, um einen Thrombozytenrefraktärzustand zu verhindern bzw. zu beheben.

Hier ist zwingend eine möglichst frühzeitige Absprache mit der Blutspendezentrale notwendig, da diese Präparate gezielt hergestellt werden müssen. Kontaktieren Sie bitte unsere Dienstärzte in der Blutbank oder unser HLA-Labor.

Für Patienten mit komplexen Antikörper-Gemischen oder mit Antikörpern gegen hochfrequente Antigene steht unter Umständen nur sehr selten ein passendes Erythrozytenkonzentrat zur Verfügung.

Damit solche Patienten im Bedarfsfall schnell und mit einer ausreichenden Zahl an Präparaten versorgt werden können, werden Erythrozytenkonzentrate von Blutspendern mit besonders seltenen Blutgruppeneigenschaften mittels einem speziellen Verfahren haltbar gemacht und in spezialisierten Blutbanken tiefgefroren gelagert.